Israelitischer Friedhof

Der Israelitische Friedhof

Robert-Stolz-Str.
Der jüdische Friedhof in Neustadt wurde 1862 angelegt. Er wird bis zur Gegenwart belegt. Das auf dem Friedhof stehende Denkmal „Den Opfern aus der Pfalz zum Gedenken“ ist von 1954 und stand ursprünglich auf dem Platz der 1938 zerstörten Synagoge. Der Friedhof wird bis zur Gegenwart von der „Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz“ belegt. Die Friedhofsfläche umfasst 48,50 ar. Der Friedhof wurde in den Jahren 1933 bis 1945 offensichtlich nicht geschändet. 1997 waren mehrere antisemitische Schmierereien an der Totenhalle und an einigen Gräbern. Die Täter wurden ermittelt und verurteilt.

Jüdischer Friedhof, Neustadt

Jüdischer Friedhof, Neustadt

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Liste der jüdischen Friedhöfe in der Pfalz

Historischer Kontext

Zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde
In Neustadt an der Weinstraße (früher „Neustadt an der Haardt“ genannt) bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. 1339 wird eine „Judengasse“ (heute „Turmgasse“ im südwestlichen Viertel der Altstadt) genannt. Zu Verfolgungen kam es 1343 („Ritualmord“-Beschuldigung) und während der Pestzeit 1348/49. 1356 wird eine Synagoge genannt, die vor der Verfolgungszeit bestand und zwischen der Judengasse und der Stadtmauer lag (in vico Judeorum). Seit 1383 lebten wieder Juden in der Stadt (fünf Personen genannt). 1391 wurden die Juden mit den anderen Juden der Kurpfalz ausgewiesen.

Im 16. und 17. Jahrhundert lebten einzelne Juden in der Stadt (1548 und 1550 jeweils eine Familie). Anfang des 18. Jahrhunderts (1722) werden wieder acht Familien genannt, 1743 sind es zehn Familien. Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder von 112 (1804) auf 306 (1871) zu und erreichte 1900 die Höchstzahl von 397 Personen (bei einer Gesamteinwohnerzahl von 17.795; 1905 375 Personen, d.h. etwa 2 % der Gesamteinwohnerschaft).

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (alte Synagoge von 1764, ersetzt durch eine 1867 eingeweihte neue Synagoge s.u.), eine jüdische Schule (seit 1830), ein rituelles Bad sowie ein Friedhof. Seit 1914 bestand ein jüdisches Altersheim („Israelitisches Altersheim für die Pfalz e.V.“) mit Sitz der Geschäftsstelle in Speyer, 1921 21, 1932 40 Bewohner). Die jüdische Gemeinde war dem Bezirksrabbinat Frankenthal zugeteilt. Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde etwa 350 Personen gehörten (1,75 % von insgesamt etwa 20.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Emil Behr, Gustav Weil, Albert Rosenstiel, Isaac Mayer und Berthold Weil. Als Religionslehrer und Kantor war Lehrer Rödelsheimer tätig. Er unterrichtete an den öffentlichen Schulen des Stadt damals 21 Kinder. 1932 waren die Gemeindevorsteher: Emil Behr (1. Vors.), Isaak Mayer (2. Vors.) und Emil Zill (Schatzmeister und Schriftführer). Weiterhin war Lehrer Hugo Rödelsheimer in der Gemeinde tätig (wohnt Jahnstraße 1). Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 47 Kinder in Religion.

Bis in die 1930er-Jahre gehörten jüdischen Gewerbetreibenden etwa 80 Handels- und sonstige, für das wirtschaftliche Leben in der Stadt teilweise bedeutende Gewerbebetriebe. An wichtigen jüdischen Vereinen bestanden insbesondere: der Israelitische Armen- und Unterstützungsverein (gegründet 1872, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, 1924 unter Vorsitz von Gustav Weil mit 87 Mitgliedern), der Israelitische Frauen- und Wohltätigkeitsverein (Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Kranker und Hilfsbedürftiger; Unterkunft für Mädchen und Frauen; 1924 Leitung Meta Rosenstiel), der Bund jüdischer Frontsoldaten (1932 Leitung Max Wolff) und das Logenkränzchen des Benei Berit (Vorsitzender Max Wolff).

1933 lebten 266 jüdische Einwohner in Neustadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge angezündet. Auch das jüdische Altersheim wurde niedergebrannt. Dabei kamen zwei jüdische Insassen ums Leben. Von den jüdischen Einwohnern, die nicht mehr auswandern konnten, wurden die letzten 22 im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Mindestens 33 Juden aus Neustadt wurden ermordet. Von den in Neustadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach der Gedenktafel im Friedhof): Fanny Bender (1854), Ludwig Benedic (1883), Siegfried Brinker (1921), Sigmund Dreifus (1879), Hugo Elkan (1882), Mina Fischer (geb. ?), Betty Grünebaum geb. Loeb (1880), Camilla Haas (1855), Daniel Hackel (1902), Isabella Kahn (1898), Alfred Kern (1903), Ernst Kern (1899), Ferdinand Kern (1867), Helene Kern (1874), Elfriede Klein (1920), Herbert Klein (1917), Theodor Klein (1869), Julius Kohlmann (1885), Johanna Kohlmann (1887), Emma Lehmann (1879), Meta Lembach (geb. ?), Rosa Lebi (1868), Henriette Loeb (1881), Elias Mané (1871), Emilie Mané geb. Lehmann (1875), Hilda Mané (1878), Isidor Mané (1870), Melli (Melanie) Mané (1899), Mina Mané (1899), Berta Mayer (1882), Elisabeth Mayer (1893), Ida Mayer (1873), Julius Mayer (1885), Richard Mayer (1876), Theodor Mayer (1899), Adele Morgenthau (1885), Daniel Morgenthau (1881), Isidor Pineles (1897), Beatrice Pineles (1928), Pia Pineles geb. Hellsinger (1908), Berta Röthler (1868), Elisabeth Rosenstiel geb. Deutsch (1887), Siegmund Rosenstiel (1879), Klara Samson (1872), Leopold Samson (1864), Ludwig Schlesinger (1885), Selma Schlesinger (1893), Dr. Karl Strauß (1883), Flora Strauß (geb. ?), David Wolff (1882).

Nach Kriegsende 1945 versuchten einige nach Neustadt zurückgekehrte Juden wieder eine jüdische Gemeinde aufzubauen. 1950 wurde die „Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz“ wieder als K.d.ö.R. begründet. 1953 konnte ein Betsaal im erhalten gebliebenen Verwaltungsgebäude der früheren jüdischen Gemeinde in Neustadt eingerichtet werden. 1960 wurde ein jüdisches Altersheim erbaut. Da aber 1987 nur noch acht ältere Menschen dort ihren Lebensabend verbrachten, wurde das Heim inzwischen geschlossen. Auch die in diesem Heim untergebrachte Synagoge musste aufgegeben werden. Gegenwärtig besteht zwar weiterhin die „Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz“ mit Sitz in Neustadt. Die Synagoge dieser Gemeinde befindet sich jedoch in Kaiserslautern.

Aus Alemannia Judaica