Jüdisches Altenheim

Das jüdische Altenheim

Karolinenstr. 119 (heute Hauberallee 13, CJD-Haus)
1912 erbaut und am 9. November 1938 in Brand gesteckt. Fanny Bender und Camilla Haas, beide 83 Jahre alt, fanden in den Flammen den Tod. Die Feuerwehr kam erst Stunden später, als schon alles abgebrannt war. Die zwölf Brandstifter kamen 1949 vor Gericht und wurden zu Strafen zwischen zehn Jahren Zuchthaus und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

In Frankenthal fand vor dem Schwurgericht ein Prozess statt, in dem sechs Männer, die 1933 zur Wachmannschaft (SS Sturm 1/8 Ludwigshafen) des KZ Neustadt gehörten, angeklagt wurden. Zeugen haben dabei ausgesagt: „Die Insassen wurden mißhandelt, viele von ihnen mit Gummiknüppeln und Stahlruten bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen„.

Die Angeklagten bestritten trotzdem, an den Misshandlungen beteiligt gewesen zu sein. Es wurden verurteilt: J. H. und A. Schm. zu je einem Jahr Gefängnis. A. D. und F. Sch. zu je sechs Monaten Gefängnis. J. B. wurde mangels Beweisen freigesprochen und bei E. H. Einstellung des Verfahrens auf Grund des Straffreiheitengesetzes verfügt.
(aus Rheinpfalz vom 21. April 1950)

Das von der Jüdischen Kultusgemeinde 1960 neu erbaute Altenheim wurde wegen mangelnder Belegung 1988 geschlossen.

Jüdisches Altenheim vor 1938

Jüdisches Altenheim vor 1938

Historischer Kontext

Antisemitismus nach dem 2. Weltkrieg
In den westlichen Demokratien hat das abschreckende Beispiel der nationalsozialistischen Politik der Judenvernichtung dazu geführt, dass der Antisemitismus in der Nachkriegszeit abnahm. Dennoch zeigten Umfragen in den achtziger und neunziger Jahren in Deutschland und Österreich, dass 10 bis 15 Prozent der jeweiligen Bevölkerung als überzeugte Antisemiten einzustufen sind, ein weiteres Drittel antijüdischen Ressentiments anhängt.

In den neunziger Jahren sind in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern und den USA erneut reaktionäre und rassistische Parteien und Gruppen entstanden, die antisemitische Ideologien vertreten und häufig in enger Verbindung zu neofaschistischen Gruppierungen stehen. Nach dem Fall der Mauer nahm die Zahl antisemitischer Übergriffe in Deutschland erneut zu.

Die Kirchen haben im Allgemeinen auf die Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen Regime reagiert und bemühen sich, die religiösen Begründungen der Vorurteile zu beseitigen. Die christlich-jüdische Zusammenarbeit wurde in der Nachkriegszeit stark ausgeweitet. Auf dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-1965) sprach die römisch-katholische Kirche die Juden in aller Form von der Anklage frei, für den Tod Jesu Christi Verantwortung zu tragen, und verurteilte Völkermord und Rassismus als unchristlich.

In der Union der Sozialistischen Sowjetrepubiken (UdSSR) überlebte das antisemitische Erbe der Zarenzeit bis in die Zeit nach dem 2.Weltkrieg. Da das Judentum als Religion angesehen wurde, war es für die sowjetische Politik nicht akzeptabel. Die jüdische Presse wurde unterdrückt, führende jüdische Schriftsteller wurden zum Schweigen gebracht, die Bildungsmöglichkeiten für Juden beschnitten. Emigration war für Juden nahezu unmöglich. Erst im Zuge der politischen Umbrüche in der UdSSR und in Osteuropa Ende der achtziger Jahre wurde den Juden die Emigration erleichtert. Das Erstarken des Nationalismus, das den Untergang der UdSSR und den Niedergang des Kommunismus begleitete, führte jedoch zu Beginn der neunziger Jahre zu neuen antisemitischen Feindseligkeiten.