‚Matzenbäcker‘

Der ‚Matzenbäcker‘

Ludwigstraße 10 (heute Diskothek)
Die Bäckerei gehörte dem jüdischen Bäckermeister Richard Mayer, der nach Auschwitz deportiert wurde und dort umgekommen ist. Heute ist am Gebäude noch ein Steinrelief über dem Eingang: Kind und Matzen Das gesamte Gebiet um die Ludwigstraße, Gerichtsstraße und Rathausstraße war eines der Wohngebiete Neustadter Juden, die bereits seit dem 13. Jahrhundert hier siedelten.

Matzenbäcker, Ludwigstraße

Matzenbäcker, Ludwigstraße

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Verzeichnis jüdischer Geschäfte in Neustadt

Historischer Kontext

Geschichte des Antisemitismus
Der Begriff des Antisemitismus entstand im 19. Jhdt. und bezeichnet den Haß einzelner Menschen oder ganzer Völker gegen die Juden. Es gibt ihn, seit die Juden außerhalb Palästinas, d.h. in der Diaspora leben. Nach Aufständen der Juden im Jahr 70 n.Chr. gegen die römische Besatzungsmacht wurde Jerusalem erobert und zerstört. Die jüdische Bevölkerung der Stadt und auch des Landes wurde getötet oder vertrieben und der jüdische Staat hörte auf zu existieren.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte assimilierten sich viele der Vertriebenen in ihren „Gastländern“. Jedoch hielten die meisten an der Religion ihrer Väter und ihrem Volkstum fest. Sie bildeten so in vielen Staaten der Welt eine religiöse und ethnische Minderheit bis in die heutige Zeit.

Der Antisemitismus hat keineswegs erst mit dem Nationalsozialismus begonnen. Judenverfolgungen gab es in großem Ausmaß schon im Mittelalter, so z.B. im Jahr 1096, als in ganz Europa Tausende von Juden den Tod fanden und in vielen Städten ganze jüdische Gemeinden ausgerottet wurden. Diese Pogrome (= Zerstörung) entstanden z.T. aus der religiösen Überzeugung, die Juden seien die Feinde der Christen; auf ihnen läge ein Fluch, weil es Juden gewesen seien, die Jesus getötet hätten. Juden wurden zu Sündenböcken gestempelt, für Naturkatastrophen, Hungersnöte und Seuchen verantwortlich gemacht. Als Mörder kleiner Kinder, als Hostienschänder und Brunnenvergifter wurden sie verleumdet und verfolgt.

Als 1348 eine Pest Europa verheerte, wurde dies als Strafe Gottes dafür dargestellt, daß die Christenheit die Juden noch nicht aus ihrer Mitte entfernt habe. Seitdem mußten Juden in gesonderten Stadtteilen, den Ghettos, leben und waren gezwungen, sich durch besondere Kleidung als Juden zu erkennnen zu geben.

Oft hatte der Antisemitismus wirtschaftliche Ursachen. Zum Beispiel warf man den Juden vor, sich auf Kosten der Nichtjuden zu bereichern. Da die Christen im Mittelalter aus religiösen Gründen keine Zinsen nehmen durften, blieben die Geldgeschäfte meist den Juden vorbehalten. So kam es, daß viele Christen bei Juden verschuldet waren. Den Juden waren außerdem die meisten Berufe verboten. Aus der Landwirtschaft wurden sie verdrängt, und ein Handwerk konnten sie nicht ausüben, weil sie als Nichtchristen kein Mitglied einer Zunft werden durften. So blieb ihnen nur das Geldgeschäft und der Kleinhandel.

In den ersten Jahren der Reformation begegnete man in den protestantischen Gebieten den Juden zunächst mit Toleranz. Auch Martin Luther äußerte sich positiv über sie und zeigte ein besonderes Interesse an der hebräischen Sprache. Er hegte die Hoffnung, die Juden für den christlichen Glauben gewinnen zu können, sah sich aber in seinen Hoffnungen getäuscht. Die Juden erschienen ihm nun als ein Volk, das willentlich Gottes Liebe verschmähte. 1543, wenige Jahre vor seinem Tod, verfaßte Luther eine Schrift mit dem Titel „Von den Juden und ihren Lügen“. Darin verstieg er sich zu der Forderung, die Synagogen abzubrennen, die Wohnungen der Juden zu zerstören, den Rabbinern das Lehren zu verbieten und den Juden auf jede erdenkliche Weise das Leben schwer zu machen. Seitdem haben sich protestantische Judenfeinde immer wieder auf Luther berufen.

Nachdem es im 18. Jhdt. vorübergehend eine Zeit der Toleranz gegenüber den Juden gegeben hatte und die Juden auf allen gesellschaftlichen Gebieten eine gewisse Gleichberechtigung erfuhren, entstand im 19. Jhdt. vor allem in Deutschland eine neue Welle der Judenfeindschaft. Sie war weniger religiös als vielmehr nationalistisch-rassistisch geprägt. Juden wurden nun als „national unzuverlässig“, als „heimatlose Gesellen“, als „völkisch minderwertig“ bezeichnet. Man forderte die „Reinigung“ des deutschen Volkes von allem Jüdischen. In einer Nation dürfe nur eine Seele sein. Auch die Kirchen waren nicht frei von dieser Judenfeindschaft. Es wurde behauptet, Juden seien im Gegensatz zu den wahren Deutschen ohne jegliche tiefere Religiosität und liefen nur den „Götzen des Goldes“ nach. Auf diesem nationalistisch geprägten Antisemitismus konnten die Nazis später aufbauen, als sie die Vernichtung der Juden planten und durchführten.

Antijudaismus, Rassismus und Antisemitismus sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs keineswegs überwunden. Sie bestehen als latente, in Krisenzeiten aktivierbare Strömung in sämtlichen europäischen Ländern weiter und zeigen sich in letzter Zeit wieder verstärkt. In der Bundesrepublik bestehen trotz gegensteuernder Schulerziehung und medialer Aufklärung auf breiter Basis auch weiterhin antisemitische Strömungen. Diese äußern sich zum Beispiel in Gewaltakten gegen Synagogen oder Friedhofsschändungen.

Wikipedia-Eintrag zu „Antisemistismus, Antijudaismus, Judenfeindlichkeit