Umbenennungen

Umbenennungen von Straßen & Plätzen

In der Philosophie der Nationalsozialisten spielten Menschen und Ereignisse eine große Rolle. Aus diesem Grund wurden Straßen und Plätze kurzerhand umbenannt. Allerdings war es auch möglich, Entscheidungen innerhalb kurzer Zeit wieder rückgängig zu machen, bzw. Straßen wieder neu zu benennen (Beispiele dafür sind die Josef-Bürckel-Straße, die Maximilianstraße oder die Schlageter-Straße). Für die Umbenennung waren der Oberbürgermeister sowie der Stadtrat zuständig, was folgendes Ratsprotokoll belegt.

Übersicht der Umbenennungen

vor 1933
umbenannt in/wann
heute
Marktplatz
Adolf-Hitler-Platz (27.04.1933)
Marktplatz
Poststraße
Josef-Bürckel-Str. (27.04.33)
Schütt
Josef-Bürckel-Str.
Ritter-von-Schobert-Str. (25.09.41)
Schütt
Heinestraße
Dietrich-von-Eckert-Str. (27.04.33)
Heinestraße
Kapuzinerstraße
Horst-Wessel-Str. (27.04.33)
Wittelsbacherstraße
Winterbergstraße
Schlageterstraße (17.09.34)
Hermann-Ehlers-Straße
Schlageterstraße
Karl-Lamm-Straße (04.03.37)
Hermann-Ehlers-Straße
Hauptstraße
Gustav-Böhmer-Straße (26.04.37)
Hauptstraße
Maximilianstraße
Straße des 13. Januar (12.01.38)
Maximilianstraße
Straße des 13. Januar
Hermann-Göring-Straße (29.06.38)
Maximilianstraße
Luitpoldstraße
Josef-Bürckel-Straße (04.10.44)
Konrad-Adenauer-Straße
Stadtratsbeschluss zur Umbenennung

Stadtratsbeschluss zur Umbenennung

Dokumente zum Download

Umbenennung per Stadtratsbeschluss

Historischer Kontext

Horst Wessel
Horst Ludwig Wessel (* 9. Oktober 1907 in Bielefeld; † 23. Februar 1930 in Berlin) war SA-Sturmführer und schrieb den Text zum Horst-Wessel-Lied, das kurz nach seiner Ermordung zur offiziellen Parteihymne der NSDAP wurde und dann von 1933 bis 1945 als inoffizielle Hymne stets nach dem Deutschlandlied gesungen wurde.

Horst Wessel war der Sohn des evangelischen Pastors Dr. Wilhelm Ludwig Georg Wessel (1879–1922), der von 1906 bis 1908 in der Bielefelder Pauluskirche und ab 1913 an der historisch wichtigen Berliner Nikolaikirche wirkte. Wessels Eltern blieben auch nach der Novemberrevolution 1918 stets kaiserlich, reaktionär gesinnt. Horst Wessel studierte zunächst vier Semester Jura und war Mitglied im Corps Normannia Berlin und Corps Alemannia Wien[1], gab das Studium dann jedoch auf und war nach 1928 Hilfsarbeiter. Er arbeitete unter anderem als Taxifahrer und als Schipper beim U-Bahnbau.

1926 trat Wessel in die NSDAP und die SA ein, ab 1929 war er außerdem SA-Sturmführer des SA-Sturms 5 in Berlin. Im selben Jahr hatte er in der nationalsozialistischen Zeitschrift Der Angriff erstmals sein Gedicht „Die Fahne hoch, die Reihen dicht (später geändert in: fest) geschlossen!“ veröffentlicht, das später mit der Melodie eines Seefahrerliedes unterlegt zum Horst-Wessel-Lied wurde.

Die genauen Hintergründe seines Todes sind bis heute ungeklärt. Nach Auffassung der Justiz wurde Wessel am 14. Januar 1930 von Albrecht Höhler, einem aktiven Mitglied der KPD, und weiteren Kommunisten in seiner Wohnung aufgesucht, wobei Albrecht Höhler Horst Wessel beim Öffnen der Tür ins Gesicht schoss. Wessel wurde zwar sofort in ein Krankenhaus eingeliefert, verstarb aber dort am 23. Februar.

Die NSDAP (damals noch in der Opposition) nutzte Wessels Tod propagandistisch: er wurde zum „Märtyrer der Bewegung“ verklärt. Nach der Machtübernahme wurde der Berliner Bezirk Friedrichshain in „Horst-Wessel-Stadt“ umbenannt und trug diesen Namen bis 1945. Das Krankenhaus am Rande des Volksparks Friedrichshain, in dem Wessel verstorben war, erhielt den Namen „Horst-Wessel-Krankenhaus“. Der damalige Bülowplatz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) in Berlin-Mitte wurde in „Horst-Wessel-Platz“, sowie die dortige U-Bahn-Station Rosa-Luxemburg-Platz, die Volksbühne und das heutige Karl-Liebknecht-Haus, umbenannt.

Viele andere deutsche Plätze und Straßen wurden ebenfalls nach Wessel benannt, unter anderem in seiner Heimatstadt Bielefeld die heutige August-Bebel-Straße, an der die Pauluskirche steht, in der sein Vater früher tätig war. Einer Division der Waffen-SS, der 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division, wurde der Beiname „Horst Wessel“ verliehen. Am 17. September 1934 wurde in Dresden mit großem, propagandistischen Aufwand die Knabenberufsschule Altstadt als „Horst-Wessel-Schule“ eröffnet.

Abgesehen davon, dass das von Goebbels geleitete Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda den Mord im Rahmen von NSDAP-Propaganda politisierte und aus Horst Wessel einen nationalsozialistischen Helden machte, wurde das Schicksal des ehemaligen Studenten von dem bekannten Schriftsteller Hanns Heinz Ewers in dem Roman Horst Wessel (Stuttgart: Cotta, 1932) aufgegriffen. Dieser wurde später (1933) verfilmt, wobei aus rechtlichen Gründen der Name des Protagonisten in Hans Westmar geändert wurde. Im Umlauf befindliche Ausschnitte dieses NS-Propagandafilms, die die angebliche Störung des Trauerzugs und die Schändung des Sargschmucks durch Kommunisten zeigen, sind nicht authentisch.

Wikipedia-Eintrag zu Horst Wessel